Das vierte Spatzenjahr begann schön frostig Mitte Januar.


Aber das machte den Spatzenkindern nichts aus, denn im Winter ist die angrenzende Brache frei, und es gab viel Platz zum Rennen und Toben. Beim Fangspiel „Winterwindfangen“ waren alle in Bewegung, kreuz und quer flitzten die Kinder über die Wiese. Doch beim Spiel „Sperber am Futterhaus“ war Vorsicht geboten, denn nicht nur die Spatzen und andere Gartenvögel sind hungrig, sondern auch der Sperber, der nur auf den passenden Moment wartet, um seine Beute zu schnappen. Bei „Mäusejagd im Schnee“ ging es dann ruhiger zu, damit der (blinde) Fuchs die leise fiepsenden Mäuse unter der Schneedecke finden und zupacken kann. Für uns war es ein Spiel, aber Futter finden im Winter ist für viele Tiere nicht einfach. Um der Nahrungsknappheit zu entfliehen, ziehen einige Vögel im Herbst in den Süden. Wer bleibt hier, wer zieht weg? Bei der Zuordnung von Bildkarten heimischer Vögel zu den Gruppen „Zugvögel“ und „Standvögel“ tauschten wir unser Wissen aus und sahen, dass man oft schon am Schnabel eines Vogels erkennen kann, zu welcher Gruppe er gehört. Für die zuhause gebliebenen Gartenvögel haben wir schließlich verschiedene Futterstellen gebastelt: Aus gut biegsamen Zweigen von Hartriegel und Weide haben wir eine Halterung für Meisenknödel gebunden. Außerdem wurden große Kiefernzapfen mit Erdnussmus bestrichen und in Vogelfutter gewälzt, um diese dann an einen Ast oder ans Futterhaus zu hängen. Als Snack für uns gab es dieses Mal auf Wunsch der Spatzenkinder Popcorn vom Lagerfeuer und dazu leckeren heißen Apfelpunsch.


Oh je, es war zunächst fraglich, ob das Treffen im Februar überhaupt stattfinden kann, denn der Zugang zum vorderen Grundstück stand völlig unter Wasser. Doch der Weg über den hinteren Garten und die Brache war noch frei – die Spatzen haben das Abenteuer genossen: Es wurden Brücken und Dämme gebaut, so manche Ersatzsocke kam zum Einsatz. Dass noch etwas Schnee lag, wurde natürlich auch zum Beispiel beim Rollen von Schneekugeln ausgekostet und passte sehr gut zu unserem Thema „Spuren und Fährten“. Bei Schnee kann man sehr gut Tierspuren entdecken. Aber welche Spuren hinterlassen Tiere noch und verraten uns damit, wer da war und was passiert ist? Im hinteren Garten hatten wir einige solcher Tierspuren aus Sonjas großem Fundus verteilt. Bei den verschiedenen Stationen war dann etwas Rätseln gefordert: wer hat hier am Zapfen geknabbert? Woher kommt das kleine Loch in der Haselnuss und das in der Eichel? Wer hat das weiche, wer das grobe Nest gebaut, und welcher Vogel fiel vor der Fichte wohl einem Räuber zum Opfer? An einer weiteren Station haben wir die Trittsiegel verschiedener Tiere bestimmt. Ein paar davon lagen als Schablonen bereit, um einen Anhänger zu basteln: Mit Teller- oder Handdrillbohrer wurde zunächst ein Loch in eine Astscheibe gebohrt, was je nach Werkzeug einige Geduld erfordert hat. Mit Hilfe von Schablonen konnte dann der Fußabdruck von Wolf, Dachs, Igel, Eichhörnchen, Reh oder Wildkatze auf die Scheibe gemalt werden. Hungrig waren wir nach den Aktionen – gut, dass die Feuerschale halbwegs im Trockenen stand und ein Teil der Gruppe in der Zwischenzeit knusprige Rosmarin-Kartoffeln und dazu Punsch vorbereitet hatte.

Im Monat März zog es einen Teil unserer Gruppe in den nahe gelegenen Wald, denn dort war der Boden über und über bedeckt mit duftendem Bärlauch für unsere Frühlingsküche. Aber Vorsicht war geboten: inmitten der genießbaren Blätter fanden wir auch den äußerst giftigen Aronstab. Bei achtsamem Hinschauen konnten die Spatzenkinder aber gut die Unterschiede erkennen. Mit welchen giftigen Pflanzen man Bärlauch noch verwechseln könnte – Maiglöckchen und Herbstzeitlose – haben wir anhand von Bildkarten herausgefunden. Mit vollem Erntekorb wanderten wir zurück und suchten bei einem kleinen Rätsel nach weiteren Frühlingsboten wie Scharbockskraut, Buschwindröschen, Taubnessel und Ehrenpreis. Dabei erfuhren wir, welchen Trick einige Frühblüher anwenden, um ihre Samen mithilfe von Ameisen weit zu verbreiten. Mit Labkraut-geschmückten Mützen kehrten wir zurück und sahen, dass im AGNUS-Jugend-Garten fleißig mit Rechen und Schaufel gearbeitet wurde: Das Wildblumenbeet wurde gesäubert und neue Samen wurden ausgestreut. Nun waren alle hungrig. Eifrig wurde Bärlauch gezupft und mit der Kräutermühle zerkleinert. Der grüne Quark schmeckte sehr lecker zu Baguette!


Was ist der Unterschied zwischen einem Hasen und einem Kaninchen? Ein sehr großer, wie am Termin im April von Loubna zu erfahren war: Hasen sind größer, kräftiger, haben längere Löffel und leben außerhalb der Paarungszeit als Einzelgänger. Kaninchen sind insgesamt kleiner und leben mit großen Familienverbänden in Erdhöhlen. Außer viel Wissenswertes zu erfahren gab es auch viel zu basteln. Ein Hasen oder ein Kaninchen (hier nimmt es die künstlerische Freiheit mit den Unterschieden nicht so genau) entsteht aus Draht, indem zuerst eine Hasen- (oder Kaninchen-)form aus Pappe ausgeschnitten wird. Die wird dicht mit dem Draht umwickelt, sodass dieser genau die gewünschte Form annimmt. Die Pappform wird dann durch Verbrennen im Lagerfeuer entfernt. Wir haben uns aber auch mit Pflanzen beschäftigt. Auf das Blumenbeet am Eingang des Wiesengartens streuten wir in einer gemeinschaftlichen Aktion neue Blumensamen.



Der Mai liegt in der Hauptbrutzeit unserer heimischen Gartenvögel, daher haben wir uns in diesem Monat mit dem Thema Vogelnester beschäftigt. Bei einem Suchspiel sammelten die Kinder in den Gärten Bildkarten von verschiedenen Nestern. Bei einigen konnten sie aus eigenen Beobachtungen berichten, wer da brütet, zum Beispiel eine Elster im Kugelnest, ein Spatz in einer Dachnische oder ein Specht in der Baumhöhle. Nach einer Zuordnung der Karten in die Gruppen Höhlenbrüter, Freibrüter und Bodenbrüter war es aber an der Zeit, sich echte Nester anzuschauen: die Gruppe der Buntspechte hatte im späten Winter die Nistkästen in den AGNUS-Jugend-Gärten ausgeräumt, und so konnten wir nun richtige Kunstwerke betrachten und sehen, dass Star und Meise ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was bequem ist. Im weich gepolsterten Meisennest bestaunten die Kinder kleine Eier, die im Vorjahr leider nicht mehr ausgebrütet worden waren. Nun durften die Kinder selbst versuchen, kleine Nester zu bauen – gar nicht so einfach; daher nahmen wir ein kleines Drahtgerüst zu Hilfe. Bei einem Spiel schlüpften die Kinder dann in die Rolle von Küken und Vogeleltern – ohne Pause hin und her fliegen, und die Küken sind immer noch nicht satt, und dann sind da auch noch Konkurrenten, die das Futter wegschnappen! Für den eigenen Hunger musste auch gesorgt werden: Sahne schütteln, bis Butter daraus wird, frischen Schnittlauch dazu aufs Brot – lecker! Außerdem wurden Holunderblüten gesammelt und daraus eine erfrischende Limonade angerührt. Zum Schluss warteten noch einige Sonnenblumen darauf, eingepflanzt zu werden – Vogelfutter fürs Spätjahr.


Bei unserem Treffen Ende Juni war es schon vormittags richtig heiß. Beim Besuch der Reptilienburg im hinteren Garten konnten wir daher leider keine Schlangen beim Sonnenbad entdecken, da sie sich als wechselwarme Tiere wohl eher in den schattigen Ritzen des Steinhaufens versteckt hielten. Aber anhand von Bildkarten überlegten wir, welche heimischen Schlangenarten es gibt und wer sie schon einmal wo beobachten konnte, z.B. die Ringelnatter im Weingartener Moor. Beim Spiel „Stinkende Natter“ empfanden wir ihr Abwehrverhalten nach: aufgepasst, sehen und hören kann sie nicht gut, aber umso besser Erschütterungen spüren – wer sich also nicht vorsichtig genug anschleicht, bekommt eine Ladung übelriechendes Sekret (Wasser) ab! Richtig heiß wurde den Spatzen dann beim Fangen-Spiel „Fuchs jagt Blindschleiche“. Dabei spielten sie nach, mit welchem Trick sich die Blindschleiche vor den Klauen des Raubtieres schützt: sie wirft ihren Schwanz ab, denn sie ist eine Echse und keine Schlange. Im vorderen Garten wurde währenddessen schon eifrig geschnitzt: von gewunden Zweigen der Korkenzieher-Weide oder Haselnuss wurde zunächst die Rinde abgeschält. Anschließend wurde ein Köpfchen zugespitzt, und mit Pinsel und Farbe entstanden verschiedene bunte Schlangen. Sommer ist Beeren-Zeit: Im Garten waren Johannisbeere und Felsenbirne reif und schmeckten sehr gut und erfrischend im Müsli. Für ein paar Kinder lies sich zwischendurch übrigens doch noch ein Reptil auf den Steinen im hinteren Garten blicken: ein grün leuchtendes Zauneidechsen-Männchen.


Beim Treffen am Wochenende Mitte Juli standen zwei Themen auf dem Programm: Pflaumenenernte und Rosen. Zuerst haben wir uns im neu von der AGNUS-Jugend angepachteten Rosengarten umgeschaut. Im Gegensatz zu den übersichtlichen Walnuss- und Wiesengrundstücken ist der neue Garten richtig urwüchsig und lädt zum Versteckspielen ein. Diesmal ging es aber darum, dort die vielen Rosensträucher zu entdecken und Blüten zu sammeln. Doch weiter unten mehr… Das andere Thema war die Pflaumenernte, denn diese waren gerade reif auf dem Streuobststreifen, der auch von der AGNUS-Jugend gepachtet wurde. Mit der Obstbaumleiter und Fahrradanhänger ging es los. Jeder der Spatzen durfte mal auf die Leiter, um Pflaumen zu ernten. Am Ende war die große Wanne halb voll, die wir dann mit dem Fahrradanhänger zurück auf das Grundstück brachten. Dort angekommen verarbeiteten wir die Pflaumen gleich zum Essen: halbiert und Steine raus – lecker. Feuer konnten wir dieses Mal wegen der trockenen Witterung nicht machen. Zurück zu den Rosen: aus Ton walzten die Spatzen kleine Kacheln, auf die die Rosenblätter gelegt und auch eingewalzt wurden. Das Ergebnis waren tolle kleine Kacheln mit Rosenblattmotiven, die die Spatzen mit nach Hause nehmen konnten.

Nach der Sommerpause trafen wir uns wieder im September. Die Sonnenblumen, die wir im Mai gepflanzt hatten, waren uns in der Zwischenzeit schon über die Köpfe gewachsen und verblüht: ein willkommenes Futter für verschiedene Vögel. Was hatte sich noch verändert in den Gärten? Beim Spiel „Kamera und Fotograf“ machten wir uns auf die Suche nach schönen Motiven. Dabei waren Vertrauen und Verantwortung gefordert, denn die Kamera ist blind, bis der Fotograf sie sicher an einen Ort gebracht hat und ein Foto schießt. Je nach Motiv und Wegeslänge war es gar nicht so einfach für das blind geführte Kind, dieses im Anschluss an die Foto-Tour wieder zu finden. Nun aber zurück zu den Sonnenblumenkernen: diese eignen sich auch sehr gut zum Basteln, zum Beispiel von kleinen Igeln: aus Ton wurden Kugeln gerollt, mit Daumen und Zeigefinger wurde eine Schnauze geformt, aus Nelken entstanden Augen und aus vielen Sonnenblumenkernen die Stacheln. Lange waren die Kinder mit dem Material beschäftigt, und sie formten noch weitere Tiere oder Fantasiefiguren. Wie gut, dass einige Spatzenkinder vor den Ferien so fleißig Kirschpflaumen geerntet hatten. Heute gab es diese in Form von Mus zu frisch gebackenen Pfannkuchen, köstlich! Gut gestärkt hatten die Kinder zum Schluss wieder Energie für ein rasantes Fangspiel: Bei „Wer ist Igel-König?“ heißt es jeder gegen jeden, um möglichst viele Stacheln (Wäscheklammern) zu sammeln und sich dabei keine klauen zu lassen.


An einem schönen sonnigen Herbsttag trafen wir uns im Oktober. Gerade noch rechtzeitig bevor ein kleines Tier der Nacht sich in den Winterschlaf verabschiedet – die Fledermaus. Bei einem Puzzle betrachteten wir ihren besonderen Körperbau und erfuhren, dass sie quasi mit ihren Händen fliegt, was sie von Vögeln und Mäusen unterscheidet und dass sie besonders gut hören kann. Das Prinzip der Echoortung empfanden wir nach beim Spiel „Fledermaus und Motte“ – so manch eine Fledermaus ging dabei zunächst leer aus, denn blind fangen und sich nur auf das eigene Gehör verlassen ist für uns Menschen sehr ungewohnt. Beim Spiel „Beutefang im Flug“ wurden dann Gummibärchen zu Insekten und landeten mit etwas Glück direkt im Maul der hungrigen Fledermaus. Wer mochte, durfte sich noch eine oder mehrere Fledermäuse basteln: aus schwarzem Tonpapier und Wäscheklammern entstanden kleine Abendsegler und Mausohren, die mit den Flügeln schlagen können. Zum Abschluss gab es Stockbrot und Apfelsaft, und in der Küche hinter der Hütte wurde eifrig „Suppe“ gekocht.
Im November hatten wir einen ganz besonderen Termin: diesmal trafen wir uns nicht wie üblich auf dem AGNUS-Jugend-Grundstück, sondern mit Herrn Kindermann vom Weingartener Forst. Der ausführliche Bericht ist hier zu finden: Spatzentreffen mit Herrn Kindermann.
Der Termin im Dezember fiel aus. Die Spatzen freuen sich auf das neue Jahr 2026.
