Das erste Rotkehlchentreffen begrüßten wir im Januar mit einer kleinen Achtsamkeitsübung: wir atmeten eine große Prise Januarluft ein und nahmen wahr, wie sie riecht. Still lauschten wir nach den Geräuschen um uns und versuchten ihren Ursprung zu ergründen. Wir schauten uns in der Natur um und betrachteten sie in ihrem Winterkleid. So sahen wir blattlose Bäume, trockene, gelbe Maisstängel und einen Blätterhaufen aus braunen, trockenen Blättern. Die Vögel im Winter erhalten von den Menschen verschiedene essbare Saaten und Körner, weil ihr natürliches Nahrungeangebot jetzt sehr eingeschränkt ist. Wir probierten sie und ordneten sie den verschiedenen Vögeln zu, die ihrem Schnabel entsprechend eher weiche oder harte Körner knacken können. Dann wartete am Lagerfeuer schon heißer Apfelpunsch. Aus den weichen Saaten rösteten wir uns einen Knuspermix, der hervorragend auf Butterbrot schmeckte. Zum Abschluss baute jedes Kind zusammen mit seinem Elternteil einen Meisenknödelhalter aus Weidenzweigen.


Ende März zum zweiten Treffen beschäftigten wir uns mit Hasen und Kaninchen. Die Kinder erarbeiteten zusammen mit Loubna deren unterschiedliche Lebensweisen. Daraufhin sammelten Eltern und Kinder wilde Wiesenkräuter: aus ihnen wurde eine leckere Kräuterbutter hergestellt, die wir auf Hasenbrot (frisch gebackenes Brot mit einer knusprigen Kruste und einer sehr weichen Brotkrume) genossen. Auf dem Lagerfeuer wärmten wir Apfelpunsch, und auf der Wiese übten die Kinder als Hasen und Kaninchen das Haken schlagen. So erfuhren sie, wie schwer es für Raubtiere ist, einen Hasen zu fangen. Die Kinder kennen sich nun schon sehr gut und gehen mutig aufeinander zu, wie wir beim Abschlussspiel erleben konnten.


09. April: bei strahlenden Sonnenschein durften wir wieder ein neues Schnupperkind mit seinem Papa begrüßen. Sabine sprach mit den Kindern darüber, mit was die Rotkehlchen im Frühling beschäftigt sind und welche ihre bevorzugten Nistplätze sind. Zu Anschauung betrachteten wir das Bild eines Rotkehlchennests, in dem 5 hungrige Rotkehlchen sitzen. Der Rotkehlchenpapa und die Vogelmutter sind eifrig dabei, sie zu füttern. Die Kinder überlegten, was die Jungen wohl am liebsten fressen. Überhaupt war alles interessant, was es rund um die Vogelbrut und zu verschiedenen Vogelnestern zu wissen gibt. So konnten wir sehen, wie sie gebaut sind, und ein Foto zeigte uns, dass die Eier der Rotkehlchen eine naturweiße Farbe haben und rostrot gesprenkelt sind. Inzwischen hatten die Eltern eine Baumscheibe mit Löchern versehen, auf die sie nun gemeinsam mit den Kindern aus Weidenästen Osterkörbchen flochten. Für die fertigen Körbchen suchten die Kinder auf dem Gelände eine weiche Auspolsterung. Sie fanden trockene Samenstände, frisches Gras, Moos und anderes. Anschließend erkundeten wir das durch die AGNUS-Jugend neu angepachtete Grundstück. Unser geliebtes Rotkehlchenspiel gab unserem wundervollen Nachmittag in der Natur einen fröhlichen Abschluss.

Bei der nächsten Veranstaltung am 21. Mai versammelten sich alle Rotkehlchen im Kreis und lauschten eine kurze Weile der Natur. Wir hatten den Eindruck, dass die Vögel um uns herum diese kleine Wahrnehmungsübung zusammen mit uns machten, denn sie waren erstaunlich still in diesem Moment. Wir sahen bereits, dass sich am westlichen Himmel dunkle Wolken zusammenzogen, und tatsächlich rückte ein Gewitter immer näher an uns heran. Wir setzten uns um die Feuerschale, wo sich die Kinder zusammen mit Loubna in eine Vogel-Mitmach-Geschichte vertieften. Als der Wind immer stärker pustete, stellten wir uns auf die Brache und sahen dem Wetterschauspiel zu. Mit dem Einsetzen des Regens flüchteten wir alle in die Hütte, wo wir die Zeit mit dem Vespern des mitgebrachten Proviants verbrachten. Bei leichtem Regen gingen wir dann auf unserem neuen Rosengrundstück auf Entdeckungstour. Abwechselnd durften die Kinder die Gruppe auf einem selbst gewählten Weg über das Grundstück führen. Dabei merkten sich die Kinder immer eine Pflanze oder Sache, die sie bemerkenswert fanden. Wir sammelten außerdem viele Wildkräuter, die wir auspressten, um mit der gewonnenen Saftessenz eine leckere Wildkräuterlimonade herzustellten. Zum Abschluss durfte unser beliebtes Rotkehlchenlied nicht fehlen.


Es war ein sehr heißer Mittwochnachmittag Ende Juni. Jedoch im Schatten unseres großen Nussbaumes konnten wir einer kleinen Geschichte lauschen, die uns zu den Rosen auf unserem neuen Grundstück führte. Wir schnupperten ihren zarten Duft und bemerkten die vielen verschiedenen Rosa- und Rottöne der Blütenblätter. Einige welke Blüten ernteten wir, außerdem Gänseblümchen und Kleeblüten. Wir untersuchten sie auf ihre Bestandteile und verglichen sie mit den Bildern in einem Bestimmungsbuch, das uns auch die dazugehörigen Fachbegriffe verriet. In der Erfrischungspause tranken wir kühle selbstgemachte Limo, die mit unserem angesetzten Spitzwegerich-Holunder-Honig gesüßt war. Auch gab es herrlich frischen griechischen Joghurt, den wir ebenfalls mit dem feinen Honig süßten. Nach der Stärkung lernten wir, wie man mit einem „Wiesenpflaster“, d.h. einem Spitzwegerichblatt, eine kleine Wunde, Verletzung oder einen Insektenstich selbst verarzten kann. Am Bastelstand malten die Kinder bunte Blüten, die mit einem Wunsch versehen im kleinen Wunschbrunnen erblühen konnten. Wie immer sangen wir unser Rotkehlchenlied, zu dem wir jedes Mal neue und originellere Strophen erfinden.


Im Juli gingen wir reife Zwtschgen und Kirschpflaumen auf dem durch die AGNUS-Jugend gepachteten Obstbaumstreifen ernten. Herrlich, wie das reife Obst auf die ausgelegte Plane unter den Bäumen herunter prasselte, als ein Papa oben im Baum fest schüttelte. Auf dem Grundstück angekommen bereiteten wir aus dem Obst leckere rohe Pralinen zu, indem wir es mit Nuss-Dattel-Schokomasse ummantelten. Zum Abschluss sangen wir wie immer unser legendäres Rotkehlchenlied – neu erfundene Strophen steigern unseren Mitmachspaß.


Angenehm warme Spätsommertemperaturen erwarteten uns Mitte September im AGNUS-Jugend-Garten. Bis alle Familien eingetrudelt waren, zündeten wir das Feuer in der Feuerschale an und bereiteten einen Apfelpfannkuchenteig zu, denn diesmal stand der Apfel im Fokus. Eine Gruppe begann am Feuer, kleine Apfelpfannkuchen auszubraten. Gleichzeitig kosteten andere Kinder die verschiedensten Apfelsorten. Wir versuchten, von der Schalenfarbe auf den Säuregehalt der Äpfel zu schließen – was uns nicht gelingen konnte, denn grüne Äpfel sind eben nicht zwingend säuerlich, genauso wie rotbackige nicht immer süß sind. An einer anderen Station sollte der Apfel ertastet werden. Es gab in verschiedenen Körben jeweils ein Apfel und ein Gemüse, die sich sehr ähnlich anfühlten. Jedes Kind steckte beide Hände in den abgedeckten Korb, ertastete den Apfel und erklärte, anhand welcher Merkmale es den Apfel erkannt hat. Mithilfe von Fotos erfuhren wir vieles über die Apfelblüte, ihre Befruchtungsorgane und wie der Apfel zu wachsen beginnt. An reifen Äpfeln suchten wir im Apfelkelch die trockenen Blütenblätter. Ist der Apfel nicht ein kleines Naturwunder? Die restliche Zeit verbrachten die Kinder spielend in der warmen Abendsonne.


Anknüpfend an die intensive Beschäftigung mit dem Apfel im September war Mitte Oktober ein sehr verbreiteter Schädling des Apfels, der Apfelwickler, das Thema. Wir schauten uns seine Bohrlöcher auf der Apfeloberfläche an und erkannten beim Aufschneiden seinen Fraßweg ins Innere bis zum Kerngehäuse – denn er frisst auch gerne die Apfelkerne. Anhand von Fotos konnten wir die verschiedenen Entwicklungsstadien des Apfelwicklers und das Leben der zwei Generationen, die das Jahr über aktiv sind, kennenlernen. Nach der Theorie bereiteten wir leckere Paradiesäpfel zu. Am Feuer kochten wir den Sirup, der mit Rote-Beete-Saft gefärbt war, solange ein, bis er zähflüssig war. Die Kinder tauchten ihre Äpfel mit Schaschlikspießen in die rote süße Masse. Nach kurzem Warten war der rote Guss erkaltet, und schon konnten wir die kandierten Äpfel genießen. Beim anschließenden Apfelwicklerspiel legten die Apfelwickler Eier auf die Äpfel ab. Kinder, die in der Apfelrolle waren, mussten gut mitzählen, um die Anzahl der abgelegten Eier richtig zu bestimmen. Mit unserem beliebten Rotkehlchenlied beendeten wir unser Treffen.


Den kalten Temperaturen im November entsprechend bereiteten wir uns diesmal eine warme Gemüse-Nudelsuppe zu. Damit die Suppe Zeit zum Kochen hatte, schnippelten die Kinder gleich zu Beginn unseres Treffens das Gemüse, während die begleitenden Eltern das Feuer anzündeten und sich um die Suppe kümmerten. Währenddessen startete für die Kinder im Rosengarten eine spielerische Orientierungsphase. Jedes Kind durchstreifte für sich den kompletten Garten. Am Ausgangspunkt zurückgekommen, überlegte jedes Kind, an welcher Stelle im Garten es sich am wohlsten gefühlt hat, und ging noch mal los, um diesen Wohlfühlplatz aufzusuchen und sich von dort ein besonderes Merkmal einzuprägen. Nach einem erneuten Versammeln aller Kinder versteckte sich jedes nacheinander an seinem Lieblingsplatz. Nach einem „piep“ aus dem Versteck durfte die Gruppe losziehen, um das Kind zu finden. In seinem Versteck entdeckt erzählte uns das Kind, warum es sich diesen Platz als Lieblingsplatz ausgesucht hat. Diese wundervolle Selbsterfahrung machte den Kindern so viel Spaß, dass sie das Spiel gleich nocheinmal wiederholten. Schließlich wurden alle zum Suppeessen gerufen. Die Kinder wünschten sich für unser letztes Treffen, wieder mit dem Wichtel in Kontakt zu treten. Da man mit dem Wichtel nur per Post korrespondieren kann, schrieben wir ihm einen Brief und baten ihn, am Weihnachtstreffen im Dezember etwas mit uns zu unternehmen. Auch fragten ihn die Kinder, wie er denn mit den Tieren und Pflanzen spreche. Wir hängten den Brief an die Fichte auf dem Grundstück und verabschiedeten uns.


Als wir unser letztes Treffen im Jahr am 10. Dezember eröffneten, entdeckten die Kinder an der Fichte einen Brief vom Wichtel. Wir öffnen den Brief und lasen ihn gemeinsam. Der Wichtel hatte sich eine tolle Sache ausgedacht: er wünschte, dass jedes Kind einen schönen Futterplatz baut. Gleich machten wir uns an die Arbeit, um aus Birkenreisig, Moos und Thujazweigen eine gemütliche Vogelfutterschleife zum aufhängen zu bauen. Das Futter hatte der Wichtel versteckt. Durch das richtige Beantworten von Quizfragen über das Leben der Rotkehlchen bekamen die Kinder Hinweise, wo sie das Futter für die Rotkehlchen finden konnten. Die leckeren, von Eltern gemachten Energiebällchen durften die Kinder in ihre Vogelfutterschleife legen und sie dann im Laufe unseres Treffens immer wieder naschen. Am Lagerfeuer tranken wir selbst gemachten Apfel-Weihnachtspunsch und bereiteten Popcorn in den neuen Popcorn-Sieben zu. Dabei sangen wir Weihnachtslieder. In der wundervollen ruhigen dunklen Abendstimmung verabschiedeten wir uns im Schein des Lagerfeuers – dankbar für das schöne gemeinsame Jahr 2025.
