Die Rotkehlchen aus dem Jahresbericht 2025

Das erste Rotkehlchentreffen be­grüßten wir im Januar mit einer kleinen Acht­samkeitsübung: wir atme­ten eine große Prise Januarluft ein und nahmen wahr, wie sie riecht. Still lauschten wir nach den Geräuschen um uns und ver­suchten ihren Ursprung zu ergründen. Wir schauten uns in der Natur um und betrachteten sie in ihrem Winterkleid. So sahen wir blattlose Bäume, trockene, gelbe Maisstängel und einen Blätterhaufen aus braunen, trockenen Blättern. Die Vögel im Winter erhalten von den Menschen verschie­dene essbare Saaten und Körner, weil ihr natürliches Nahrungeangebot jetzt sehr eingeschränkt ist. Wir probierten sie und ordneten sie den verschiedenen Vögeln zu, die ihrem Schnabel ent­sprechend eher weiche oder harte Kör­ner knacken können. Dann wartete am Lagerfeuer schon heißer Apfelpunsch. Aus den weichen Saaten rösteten wir uns einen Knuspermix, der hervor­ragend auf Butterbrot schmeckte. Zum Abschluss baute jedes Kind zusammen mit seinem Elternteil einen Meisenknödelhalter aus Weiden­zwei­gen.

Ende März zum zweiten Treffen beschäftigten wir uns mit Hasen und Kaninchen. Die Kinder erarbeiteten zusammen mit Loubna deren unter­schiedliche Lebensweisen. Dar­aufhin sammelten Eltern und Kinder wilde Wiesenkräuter: aus ihnen wurde eine leckere Kräuterbutter her­gestellt, die wir auf Hasenbrot (frisch ge­backe­nes Brot mit einer knusprigen Kruste und einer sehr weichen Brot­krume) genossen. Auf dem Lagerfeuer wärmten wir Apfelpunsch, und auf der Wiese übten die Kinder als Hasen und Kaninchen das Haken schlagen. So erfuhren sie, wie schwer es für Raubtiere ist, einen Hasen zu fangen. Die Kinder kennen sich nun schon sehr gut und gehen mutig aufeinander zu, wie wir beim Abschlussspiel erleben konnten.

09. April: bei strahlenden Sonnenschein durften wir wieder ein neues Schnup­perkind mit seinem Papa begrüßen. Sabine sprach mit den Kindern darüber, mit was die Rotkehlchen im Frühling beschäf­tigt sind und welche ihre bevor­zugten Nistplätze sind. Zu Anschauung be­trach­teten wir das Bild eines Rot­kehl­chennests, in dem 5 hungrige Rot­kehl­chen sitzen. Der Rotkehlchenpapa und die Vogelmutter sind eifrig dabei, sie zu füttern. Die Kinder überlegten, was die Jungen wohl am liebsten fres­sen. Überhaupt war alles interessant, was es rund um die Vogelbrut und zu verschiedenen Vogelnestern zu wissen gibt. So konnten wir sehen, wie sie gebaut sind, und ein Foto zeigte uns, dass die Eier der Rotkehlchen eine naturweiße Farbe haben und rostrot gesprenkelt sind. Inzwischen hatten die Eltern eine Baumscheibe mit Löchern versehen, auf die sie nun gemeinsam mit den Kindern aus Weidenästen Osterkörbchen flochten. Für die ferti­gen Körbchen suchten die Kinder auf dem Gelände eine weiche Aus­pol­ste­rung. Sie fanden trockene Samen­stände, frisches Gras, Moos und ande­res. Anschließend erkundeten wir das durch die AGNUS-Jugend neu ange­pachtete Grundstück. Unser ge­lieb­tes Rotkehlchenspiel gab unserem wun­der­vollen Nachmittag in der Natur einen fröhlichen Abschluss.

Bei der nächsten Veranstaltung am 21. Mai versammelten sich alle Rot­kehl­chen im Kreis und lauschten eine kurze Weile der Natur. Wir hatten den Eindruck, dass die Vögel um uns herum diese kleine Wahrnehmungs­übung zusammen mit uns machten, denn sie waren erstaunlich still in diesem Moment. Wir sahen bereits, dass sich am westlichen Himmel dunkle Wolken zusam­menzogen, und tatsächlich rückte ein Gewitter immer näher an uns heran. Wir setzten uns um die Feuerschale, wo sich die Kinder zusammen mit Loubna in eine Vogel-Mitmach-Geschichte vertieften. Als der Wind immer stärker pustete, stellten wir uns auf die Brache und sahen dem Wetterschauspiel zu. Mit dem Einsetzen des Regens flüch­teten wir alle in die Hütte, wo wir die Zeit mit dem Vespern des mitgebrachten Proviants verbrachten. Bei leichtem Regen gingen wir dann auf unserem neuen Rosen­grundstück auf Ent­deckungs­tour. Abwechselnd durften die Kinder die Gruppe auf einem selbst gewählten Weg über das Grundstück führen. Dabei merkten sich die Kinder immer eine Pflanze oder Sache, die sie bemerkenswert fanden. Wir sammelten außerdem viele Wild­kräuter, die wir auspressten, um mit der gewonnenen Saftessenz eine leckere Wildkräuterlimonade herzustellten. Zum Abschluss durfte unser beliebtes Rotkehlchenlied nicht fehlen.

Es war ein sehr heißer Mittwoch­nachmittag Ende Juni. Jedoch im Schatten unseres großen Nussbaumes konnten wir einer kleinen Geschichte lauschen, die uns zu den Rosen auf unserem neuen Grundstück führte. Wir schnup­perten ihren zarten Duft und bemerkten die vielen verschiedenen Rosa- und Rottöne der Blütenblätter. Einige welke Blüten ernteten wir, außerdem Gänse­blümchen und Kleeblüten. Wir unter­suchten sie auf ihre Bestandteile und verglichen sie mit den Bildern in einem Bestim­mungs­buch, das uns auch die dazu­gehörigen Fachbegriffe verriet. In der Erfri­schungs­pause tranken wir kühle selbst­gemachte Limo, die mit unserem angesetzten Spitzwegerich-Holunder-Honig gesüßt war. Auch gab es herrlich frischen griechischen Joghurt, den wir ebenfalls mit dem feinen Honig süßten. Nach der Stärkung lernten wir, wie man mit einem „Wiesenpflaster“, d.h. einem Spitz­wege­richblatt, eine kleine Wunde, Verletzung oder einen Insektenstich selbst verarzten kann. Am Bastelstand malten die Kinder bunte Blüten, die mit einem Wunsch versehen im kleinen Wunschbrunnen erblühen konnten. Wie immer sangen wir unser Rotkehl­chenlied, zu dem wir jedes Mal neue und originellere Strophen erfinden.

Im Juli gingen wir reife Zwtschgen und Kirsch­pflaumen auf dem durch die AGNUS-Jugend gepachteten Obst­baum­streifen ernten. Herrlich, wie das reife Obst auf die ausgelegte Plane unter den Bäumen herunter prasselte, als ein Papa oben im Baum fest schüttelte. Auf dem Grundstück ange­kommen berei­teten wir aus dem Obst leckere rohe Pralinen zu, indem wir es mit Nuss-Dattel-Schokomasse ummantelten. Zum Abschluss sangen wir wie immer unser legendäres Rot­kehl­chenlied – neu erfundene Strophen steigern unseren Mitmachspaß.

Angenehm warme Spätsommer­temperaturen erwarteten uns Mitte September im AGNUS-Jugend-Garten. Bis alle Fami­lien eingetrudelt waren, zündeten wir das Feuer in der Feuerschale an und bereiteten einen Apfelpfannkuchenteig zu, denn diesmal stand der Apfel im Fokus. Eine Gruppe begann am Feuer, kleine Apfelpfannkuchen auszu­braten. Gleich­zeitig kosteten andere Kinder die verschiedensten Apfel­sorten. Wir ver­suchten, von der Scha­len­farbe auf den Säuregehalt der Äpfel zu schließen – was uns nicht gelingen konnte, denn grüne Äpfel sind eben nicht zwingend säuerlich, genauso wie rotbackige nicht immer süß sind. An einer anderen Station sollte der Apfel ertastet werden. Es gab in verschie­denen Körben jeweils ein Apfel und ein Gemüse, die sich sehr ähnlich anfühl­ten. Jedes Kind steckte beide Hände in den abgedeckten Korb, ertastete den Apfel und erklärte, anhand welcher Merkmale es den Apfel erkannt hat. Mithilfe von Fotos erfuhren wir vieles über die Apfelblüte, ihre Befruch­tungsorgane und wie der Apfel zu wachsen beginnt. An reifen Äpfeln such­ten wir im Apfelkelch die trockenen Blütenblätter. Ist der Apfel nicht ein kleines Naturwunder? Die restliche Zeit verbrachten die Kinder spielend in der warmen Abendsonne.

Anknüpfend an die intensive Beschäf­tigung mit dem Apfel im September war Mitte Oktober ein sehr verbreiteter Schädling des Apfels, der Apfelwickler, das Thema. Wir schauten uns seine Bohrlöcher auf der Apfeloberfläche an und erkannten beim Aufschneiden seinen Fraß­weg ins Innere bis zum Kern­gehäuse – denn er frisst auch gerne die Apfelkerne. Anhand von Fotos konnten wir die verschiedenen Ent­wicklungs­stadien des Apfelwicklers und das Leben der zwei Generationen, die das Jahr über aktiv sind, kennen­lernen. Nach der Theorie bereiteten wir leckere Paradiesäpfel zu. Am Feuer kochten wir den Sirup, der mit Rote-Beete-Saft gefärbt war, solange ein, bis er zäh­flüssig war. Die Kinder tauchten ihre Äpfel mit Schaschlikspießen in die rote süße Masse. Nach kurzem Warten war der rote Guss erkaltet, und schon konnten wir die kandierten Äpfel genießen. Beim anschließenden Apfel­wicklerspiel legten die Apfelwickler Eier auf die Äpfel ab. Kinder, die in der Apfelrolle waren, mussten gut mit­zählen, um die Anzahl der abgelegten Eier richtig zu bestimmen. Mit unserem beliebten Rotkehlchenlied beendeten wir unser Treffen.

Den kalten Temperaturen im November entspre­chend bereiteten wir uns diesmal eine warme Gemüse-Nudelsuppe zu. Damit die Suppe Zeit zum Kochen hatte, schnippelten die Kinder gleich zu Beginn unseres Treffens das Gemüse, während die begleitenden Eltern das Feuer anzündeten und sich um die Suppe kümmerten. Während­dessen startete für die Kinder im Rosengarten eine spielerische Orien­tierungsphase. Je­des Kind durch­streifte für sich den kom­pletten Garten. Am Ausgangspunkt zu­rückgekommen, überlegte jedes Kind, an welcher Stelle im Garten es sich am wohlsten gefühlt hat, und ging noch mal los, um diesen Wohlfühlplatz aufzusuchen und sich von dort ein besonderes Merkmal einzuprägen. Nach einem erneuten Versammeln aller Kinder versteckte sich jedes nacheinander an seinem Lieblingsplatz. Nach einem „piep“ aus dem Versteck durfte die Gruppe losziehen, um das Kind zu finden. In seinem Versteck entdeckt erzählte uns das Kind, warum es sich diesen Platz als Lieblingsplatz ausgesucht hat. Diese wundervolle Selbsterfahrung machte den Kindern so viel Spaß, dass sie das Spiel gleich nocheinmal wiederholten. Schließlich wurden alle zum Suppe­essen gerufen. Die Kinder wünschten sich für unser letztes Treffen, wieder mit dem Wichtel in Kontakt zu treten. Da man mit dem Wichtel nur per Post korrespondieren kann, schrieben wir ihm einen Brief und baten ihn, am Weihnachtstreffen im Dezember etwas mit uns zu unter­nehmen. Auch fragten ihn die Kinder, wie er denn mit den Tieren und Pflanzen spreche. Wir hängten den Brief an die Fichte auf dem Grundstück und verabschiedeten uns.

Als wir unser letztes Treffen im Jahr am 10. Dezember eröffneten, entdeckten die Kinder an der Fichte einen Brief vom Wichtel. Wir öffnen den Brief und lasen ihn gemeinsam. Der Wichtel hatte sich eine tolle Sache ausgedacht: er wünschte, dass jedes Kind einen schö­nen Futter­platz baut. Gleich machten wir uns an die Arbeit, um aus Birken­reisig, Moos und Thujazweigen eine gemütliche Vogelfutterschleife zum auf­hängen zu bauen. Das Futter hatte der Wichtel versteckt. Durch das rich­tige Beant­worten von Quizfragen über das Leben der Rotkehlchen bekamen die Kinder Hinweise, wo sie das Futter für die Rotkehlchen finden konnten. Die leckeren, von Eltern gemachten Ener­gie­bällchen durften die Kinder in ihre Vogelfutterschleife legen und sie dann im Laufe unseres Treffens immer wie­der naschen. Am Lagerfeuer tran­ken wir selbst gemachten Apfel-Weih­nachts­punsch und bereiteten Popcorn in den neuen Popcorn-Sieben zu. Dabei sangen wir Weihnachtslieder. In der wunder­vollen ruhigen dunklen Abend­stimmung verabschiedeten wir uns im Schein des Lagerfeuers – dankbar für das schöne gemeinsame Jahr 2025.

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